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Baltikum

Europas Bernsteinländer: Entdeckungen auf Reisen durchs Baltikum

Überblick

Lassen Sie sich auf Reisen ins Baltikum von weißsandigen Ostseestränden, mittelalterlichen Hansestädten und kulinarischen Finessen begeistern.

Ihre Reise ins Baltikum führt Sie in drei Staaten: Litauen, Lettland und Estland. Die Länder begeistern mit duftenden Kiefern- und Fichtenwäldern, weiten Moorlandschaften und klaren Seen. Ihre Ostseeküsten bezaubern mit hohen Dünen und feinsandigen Stränden, an denen Sie mit geschultem Auge manchmal sogar Bernstein finden können. Für einen Strandurlaub empfehlen sich zahlreiche Seebäder, beispielsweise Jūrmala und Palanga, sowie baltische Inseln wie das estnische Saaremaa. Mit reicher Kulturgeschichte erwarten Sie die Hauptstädte Riga, Tallinn und Vilnius sowie historische Orte wie Pärnu und Tartu, deren Zentren oft Gebäude in hanseatischer Bauweise prägen.

Geografische Lage
Das Baltikum umfasst die Länder Litauen, Lettland und Estland. Diese liegen im Nordosten Europas und bilden das östliche Ufer der Ostsee.

Größe
Das Baltikum ist knapp 175.000 km² groß.

Einwohnerzahl
In den Ländern leben etwa 6 Mio. Menschen.

Sprache
Litauisch, Lettisch und Estnisch sind die offiziellen Amtssprachen. In Lettland und Estland lebt zudem eine erhebliche Anzahl an Russisch-Muttersprachlern. Englisch ist weitgehend verbreitet.

Flughafeninformationen
Der wichtigste Flughafen des Baltikums befindet sich in Riga (RIX). Daneben gibt es auch in Tallinn (TLL) und Vilnius (VNO) Airports.

Reisepass/Visum
Zur Einreise ist Ihr Personalausweis ausreichend.

Landesvorwahl
+370 (Litauen), +371 (Lettland), +372 (Estland)

Währung
Euro

Kreditkarten
Sie können nahezu überall mit Kredit- und EC-Karten bezahlen. Bargeld bekommen Sie an vielen Geldautomaten.

Zeitzone
UTC+2

Passende Jahreszeit für Ihre Rundreise durchs Baltikum

Die Küstenregionen prägt ein gemäßigtes, das Hinterland rund um Daugavpils und Vilnius ein kontinentales Klima. Die Winter sind vor allem abseits der Ostsee eher kalt und die Sommer warm und trocken. An der Küste kommt es öfters zu Regenfällen. In der kalten Jahreszeit müssen Sie mit etwa 15 Regentagen im Monat rechnen. Die meisten Sonnenstunden genießen Sie in den niederschlagsärmeren, hellen Sommermonaten, die auch ideale Voraussetzungen für Wandertouren bieten: Je nach Region erwarten Sie zwischen Juni und August tagsüber Temperaturen von etwa 20°C bis 22°C, wobei sich die Küstenregionen und Tallinn im unteren Bereich dieser Skala befinden. Das Wasser der Ostsee ist mit maximal 13°C bis 15°C relativ frisch, verlockt aber, insbesondere wenn die Winde gut stehen, zu Sportarten wie Kiten und Surfen. Im Mai und September können Sie mit durchschnittlich 16°C, im April und Oktober mit 10°C Tagestemperatur rechnen. Deutlich kühler wird es im Winter, der bereits Ende November beginnt.

Sehenswürdigkeiten des Baltikums: Weiße Strände und malerische Altstädte Königsresidenz Vilnius – Stadt der kulturellen Vielfalt

Als der junge Fürst Gediminas Anfang des 14. Jahrhunderts am Zusammenfluss von Neris und Vilnele rastete, hörte er im Traum einen Wolf in eisernem Gewand heulen. Ein Traumdeuter ermutigte Gediminas dazu, an dieser Stelle seine Hauptstadt zu gründen, die seither den Wolf als Wappentier trägt. Die Reste der Gediminas-Burg thronen hoch über dem Ort; von dem gleichnamigen Turm erhalten Sie eine Panoramasicht über die Altstadt und den Boulevard Gediminas-Prospektas. Auf diesem sind viele der nobelsten Geschäfte sowie Restaurants und Theater angesiedelt. Weiß leuchten wenige Gehminuten weiter die im klassizistischen Stil errichtete Kathedrale St. Stanislaus mit ihrem von Säulen getragenem Portal sowie ihr separater Glockenturm. Schlendern Sie nach der Besichtigung des prächtig gestalteten Gotteshauses durch die Kopfsteinpflastergassen der Altstadt. Dort können Sie sich in einem der traditionellen Kellerrestaurants mit Spezialitäten wie die gefüllten Kartoffelklöße Cepelinai für Ihren weiteren Rundgang stärken, der Sie zur reich verzierten St.-Annen-Kirche führt. Sie wurde aus über 30 verschiedenen Backsteinarten im für Litauens Bauwerke seltenen Stil der Gotik errichtet.

Über den Altstadtdächern ragen zahlreiche Kuppeln barocker Sakralbauten empor, die Vilnius zusammen mit vielen Schlössern und weiteren Profanbauten dieser Stilrichtung zur einem der größten Barockzentren Osteuropas machen. Nicht wenige dieser Bauwerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert gehen auf die Einladung italienischer Baumeister durch den litauischen König zurück. Von italienischer Architektur inspiriert sind u.a. auch die mediterranen Studierhöfe und Arkaden der traditionsreichen Universität. Bewundern Sie die reichen Fresken im Joachim-Lelewel-Lesesaal ihrer Bibliothek sowie die barocke Universitätskirche St. Johannes, deren Glockenturm der höchste der Stadt ist. Vis-á-vis der Fakultäten beeindruckt der klassizistische Präsidentenpalast. Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut und diente zunächst als Bischofssitz. Nur wenige Gehminuten weiter erwartet Sie der Boulevard Vokiečiu gatve mit zahlreichen hochwertigen Restaurants und Bars.

Wenn Sie in der Altstadt Ihren Kopf gen Osten richten, werden Ihnen unweigerlich die drei weißen Kreuze auf dem Trys-kryžiai-Berg ins Auge fallen. Sie zeugen von der späten Christianisierung der Litauer, die bis heute stolz auf ihre heidnischen Traditionen und ihre multikulturelle Geschichte sind. Bereits bei der Gründung von Vilnius lud Fürst Gediminas alle Konfessionen und Ethnien dazu ein, in seiner Hauptstadt zu leben. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde der Ort so u.a. auch ein Zentrum der jüdischen Kultur. Heute erinnert das Vilna Gaon Museum an den jüdischen Bevölkerungsanteil der litauischen Gesellschaft und dessen Ende während des Holocausts. Über die Deportationen der Litauer durch die Sowjetmacht vom Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Tode Joseph Stalins 1953 informiert die Genozidausstellung im ehemaligen Hauptquartier des KGB. Dort können Sie an Führungen durch die einstigen Gefangenentrakte und Verhörräume teilnehmen sowie einiges über die späteren Methoden des Geheimdienstes erfahren.

Das Erbe der Hanse in Riga

Im Mittelalter wurde Riga von Händlern aus Gotland und Norddeutschland gegründet, heute bildet die lettische Hauptstadt mit über 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums. An die einstige Verbindung nach Bremen werden Sie auf Ihrer Reise in der hanseatisch geprägten Stadt Denkmäler wie die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten vor der Petrikirche und die Rolandstatue am Schwarzhäupterhaus erinnern. Das Gebäude am historischen Marktplatz diente den Gilden der Stadt als wichtiger Treff- und Versammlungspunkt. Von deren Reichtum zeugen seine aufwendigen Verzierungen und Stufengiebel. Am Marktplatz finden Sie auch das Rathaus sowie das Okkupationsmuseum, das einen detailreichen und emotionalen Blick auf die Geschichte der deutschen und sowjetischen Besatzung Lettlands wirft.
Die Silhouette der lettischen Hauptstadt prägen die Kirchtürme mehrerer Gotteshäuser, darunter der mächtige Dom aus dem 13. bis 15. Jahrhundert sowie die Petrikirche. In ihrem Kirchturm bringt Sie ein Aufzug zu einer Galerie auf 72 m Höhe, die Ihnen weite Aussichten über die Hafenstadt gewährt: Sie werden das mittelalterliche livländische Schloss, dem Sitz des Präsidenten, erblicken. Zudem schauen Sie über der Daugava, an deren Ufer sich der futuristische Fernsehturm aus Sowjetzeiten erhebt, und zur östlich des Flusses gelegenen Neustadt. Sie zählt wie der mittelalterliche Stadtkern zu Rigas UNESCO-Weltkulturerbe und besticht mit über 800 erhaltenen Jugendstilbauten, deren markanteste Entwürfe oft vom Architekten Michail Eisensteins stammen. Mit zahlreichen Gebäuden aus dieser Epoche verzaubern das Elisabeth- und das Albertviertel, weitere üppig verzierte Jugendstilfassaden können Sie am östlichen Rand der Altstadt besichtigen. Besuchen Sie dort die neoklassizistische Nationaloper sowie den Bastejkalna-Park und schauen Sie in der Parkanlage am Basteiberg der Wachablösung am Freiheitsdenkmal zu. Neben dem Bahnhofsgebäude beheimaten seit 1930 fünf gusseiserne Hallen Rigas Zentralmarkt, in dem Sie täglich frische Lebensmittel, Blumen und vieles mehr einkaufen können.

Mittelalterflair in Tallinn: Die Hafenstadt am Finnischen Meerbusen

Wuchtige Stadtmauern sowie imposante Wach- und Pulvertürme befestigen den kalksteinernen Domberg im mittelalterlichen Zentrum der Altstadt. Seine kopfsteingepflasterten Gassen führen Sie u.a. zur dänischen Burg und zum Tallinner Dom, der im 13. und 14. Jahrhundert im Stil der gotländischen Basiliken errichtet wurde. Neben dem Sakralbau erhebt sich die orthodoxe Alexander-Newski-Kirche mit ihren Zwiebeltürmen auf dem Domberg. Den zentralen Punkt in der sogenannten Unterstadt bildet der weitläufige Rathausplatz, an dem sich der stadtbildprägende schmale Rathausturm erhebt. An den großen Markt grenzt eine der ältesten Apotheken der Welt; gegründet wurde sie vermutlich 1422. Wie in Riga gibt es auch in Tallinn ein Schwarzhäupterhaus. Es beeindruckt durch seine renaissancistische Fassade und die prächtigen Wappen der Hansestädte. Ein Spaziergang durch die nördliche Altstadt bringt Sie zum Hafen. Besichtigen Sie dort die Skulptur Katkenud liin, die an den Untergang der Fähre Estonia in den 1990er Jahren gedenkt. Etwa 7 km östlich bildet der weiße Strand von Pirita ein Ziel für einen Wanderausflug entlang der Ostseeküste. Kulturinteressierte besuchen das barocke Schloss Kadriorg im gleichnamigen Stadtteil, das der russische Zar Peter der Große im 18. Jahrhundert errichten lies. Heute beheimatet der Bau nach einem Entwurf des italienischen Architekten Niccolo Michetti Sammlungen des Estnischen Kunstmuseums, darunter Gemälde west- und osteuropäischer Künstler sowie estnische Kunstwerke ab dem 18. Jahrhundert.

Baltische Inseln: Fichten- und Kiefernduft auf Saaremaa und Hiiumaa

Malerische Fichten- und Kiefernwälder wechseln sich auf den estnischen Inseln Hiiumaa und Saaremaa mit weiten Stränden ab. Von der Kulturgeschichte der Region zeugen heute noch mehrere Leuchttürme und traditionelle Bockwindmühlen. Aufgrund der guten Windverhältnisse bieten Ihnen die beiden Inseln, die zu den beliebtesten Badeorten des Baltikums gehören, auch exzellente Kite- und Surfreviere. Zum Urlaub laden ruhige Küstenstädten und -dörfern wie Kärdla, Pärna, Salme oder Arensburg. Ihre Bewohner sind für ihre Traditionsverbundenheit bekannt, die sich auch im Handwerk zeigt. Für Saaremaa und Hiiumaa typische Souvenirs sind aus duftenden Hölzern geschnitzte Bestecke und Schmuckstücke. Besucher des Kurorts Kuressare auf Saaremaa können in etwa 18 km Entfernung einen vor 4.000 Jahren entstandenen Meteoritenkrater besichtigen: Rund um den Einschlagsort ragen die Dolomitfelsen schräg aus dem Boden.

Urlaub auf der Kurischen Nehrung: Dünenwanderung und Badespaß

Die längliche Kurische Nehrung im Westen Litauens gehört zu den Highlights auf Ihren Reisen ins Baltikum. Von Klaipėda aus können Sie mit dem Schiff übersetzen und die lange Halbinsel zu Fuß oder per Fahrrad erkunden. Einige der schönsten Dünen des Landes erwarten Sie bei Nida. In dem Ort an der heutigen Grenze zum russischen Kaliningrad-Distrikt liegt das einstige Landhaus des Schriftstellers Thomas Mann, dem sich eine detailreiche Ausstellung in dem Gebäude widmet. Nicht nur für Familien ist das Delfinarium an der Nordspitze der Nehrung interessant. Im nahen Litauischen Meeresmuseum erfahren Sie mehr über die Biosphäre sowie das Leben der Menschen vor Ort im Einklang mit der Natur.

Sommerhauptstädte: Jūrmala und Palanga

Jūrmala und Palanga sind Lettlands bzw. Litauens Sommerhauptstädte. Jedes Jahr reisen Urlauber aus allen Landesteilen an die Ostseeküste und genießen das milde Klima. Gestaltet sind die beiden Orte wie klassische Seebäder: Sanatorien sowie Restaurants mit landestypischer Küche, Imbissbuden und Eisstände prägen das Ambiente. Zudem begrüßt Sie ein Angebot an Freizeitaktivitäten, das vom Kiten und Surfen bis hin zu Beachvolleyballturnieren reicht. Jūrmala liegt nah an der Hauptstadt Lettlands; mit dem Zug benötigen Sie weniger als eine Stunde zur Anreise.

Die Burg von Trakai

Nur eine kurze Autofahrt von Vilnius entfernt begrüßt Sie Trakai. Zwischen Seen erstreckt sich sein alter Kern, der 1316-1323 kurz die Hauptstadt des litauischen Imperiums bildete. Im 14. Jahrhundert wurde auf einer kleinen Seeinsel eine mächtige Backsteinburg als Sitz der Fürsten Litauens errichtet. Heute können Sie in ihrem Inneren die fürstlichen Wohnräume sowie den großen Versammlungssaal mit seinen aufwendigen Wandmalereien bewundern. Diese bilden das Leben des Großfürsten Vytautas und seiner Frau ab. Er lud im 15. Jahrhundert jüdische Karaimen von der Krim nach Trakai ein, die dort als Bedienstete und Leibwachen dienten. Deren einstige Häuser mit jeweils drei Fenstern zur Front prägen bis heute das Stadtbild. Zudem erweiterten die Karaimen die regionale Kulinarik durch ihre eigene Küche: Probieren Sie in Trakai beispielsweise die knusprig gebackenen Teigtaschen Kibinai, die Ihnen mit einer Füllung aus Fleisch oder wahlweise auch aus anderen Zutaten serviert werden.

Baltische Kultur: Das macht die Region so einzigartig

Die Balten sind stolz auf ihre eigenständige Kultur und Sprache. Über viele Jahrhunderte hinweg konnten sich die drei kleinen Länder gegen andere Einflüsse behaupten, auch wenn sie lange Zeit von anderen Mächten beherrscht wurden. Die Besatzungszeit im 20. Jahrhundert ist für das Baltikum ein traumatischer Teil seiner Geschichte, von dem sich die Einwohner bewusst abgrenzen. Die Länder betonen ihre Westorientierung, geben sich modern und stehen zur Mitgliedschaft in EU und NATO.

Während die Esten zum finno-ugrischen Sprachkreis gehören, zählen die Letten zum indoeuropäischen Sprachraum. Seitdem das Gotische und das Baltopreußische ausgestorben sind, zählen Litauisch und Lettisch zu den ältesten noch existierenden indogermanischen Sprachen Europas. Teilweise lassen sich auch noch Verbindungen zum Sanskrit finden, beispielsweise stehen das litauische Wort Avis und der Sanskit-Ausdruck Avi jeweils für Schaf.

Volkslieder spielen im Baltikum eine wichtige Rolle, so galt die Zeit der nationalen Bewegungen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre als Singende Revolution. Vor dem Austritt aus der Sowjetunion veranstalten die sich untereinander als Brüder bezeichnenden Völker Gesangsfestivals, um bewusst die Eigenständigkeit der Kultur hervorzuheben. Legendär war die über 600 km lange Menschenkette 'Baltischer Weg' im Jahr 1989, die durchgängig von Tallinn bis nach Vilnius führte und den Zusammenhalt der drei Nationen symbolisieren sollte.

Die Kulinarik der Balten prägen verschiedenen Einflüssen aus Ost und West. Malziges Schwarzbrot und geräuchertes Fleisch, Speck und eingelegte Gurken gehören zu fast jedem Festmahl dazu. Auch zu aromatischen Schnäpsen wie dem Rigaer Balsam, Vana Tallinn oder dem Kräuter 999 aus Litauen dürfen solche Happen nicht fehlen. Die Hauptmahlzeiten sind meist deftig; ein Klassiker ist z.B. Litauens zeppelinförmige Kartoffelklöße Cepelinai mit Fleisch-, Käse- oder Pilzfüllung.

Viele Balten fiebern beim Eurovision Song Contest und bei großen Sportereignissen für ihr Land mit. Litauen verfügt beispielsweise über eines der besten Basketballteams Europas – dessen erster Auftritt bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gilt vielen Litauern als kulturelle Wegmarke auf dem Pfad zur Unabhängigkeit. In Lettland und Estland sind Eishockey bzw. Fußball deutlich wichtiger.

Wissenswertes zur Geschichte

Seit Jahrhunderten siedelten an der Ostküste der Ostsee balto-preußische Völker, die sich vor allem vom Fischfang und der Landwirtschaft ernährten. Während Estland und Lettland unter den Einfluss der Hanse und des Deutschen Ordens gerieten, blieb Litauen weitgehend eigenständig. Es entwickelte sich nach der gewonnenen Schlacht von Tannenberg gegen den Deutschen Orden 1410 zu einem Imperium, das bis ans Schwarze Meer reichte. Etwa 150 Jahre später ging das Land in der Union mit Polen, der sogenannten ersten Rzeczpospolita, auf und geriet anschließend unter den Einfluss des Russlands.

Als das Moskauer Reich im Osten immer stärker wurde, wurden auch die anderen baltischen Staaten zunehmend vom Zaren vereinnahmt und gehörten bis Ende des Ersten Weltkriegs zum Imperium. In den 1920er und 1930er Jahren waren Litauen, Lettland und Estland unabhängig, wurden ab 1939 jedoch wechselnd von der Sowjetunion und dem Deutschen Reich überfallen. Es kam zu massiven Deportationen nach Sibirien. Als die deutsche Armee zwischenzeitlich einmarschierte, verloren die Balten den überwiegenden Teil ihrer jüdischen Bevölkerung. Die sowjetische Fremdherrschaft dauerte bis 1990, dann erklärten sich zunächst Litauen und in Folge dessen auch Lettland und Estland für eigenständig. Dieser Schritt gilt gemeinhin als der Anfang vom Ende der UdSSR. Kurzzeitig kam es 1991 zu Aufständen und dem Einsatz der sowjetischen Armee, mit der Gorbatschow das zerbröckelnde Reich noch ein letztes Mal zu retten versuchte. Als das kommunistische Land im selben Jahr aufgelöst wurde, begann für die baltischen Staaten eine neue, zukunftsorientierte Zeitrechnung. Demokratie und Westausrichtung gehören seither zum politischen Programm der meisten Parteien im Land.

Reisen im Baltikum: Dos and Don’ts

Bei den Balten schnell gut an kommen Urlauber, wenn sie das Baltikum nicht mit Russland gleichsetzen. Auch sollten Sie nicht davon ausgehen, dass jeder Bewohner Litauens, Lettlands und Estlands Russisch spricht. Vor allem die jüngeren Generationen haben meist eher Englisch, Französisch oder Deutsch in der Schule gelernt. Zudem stehen ältere Menschen Russland oft mit einiger Ablehnung gegenüber. Weitaus höher als in Litauen ist der Anteil der russischen Minderheiten in Lettland und Estland – im Osten dieser Länder sind die Bewohner mancher Orte, z.B. Daugavpils und Narva, zu mehr als 90 Prozent Russen. Diese fühlen sich in vielerlei Hinsicht ausgegrenzt, worüber Sie in persönlichen Gesprächen mehr erfahren können.

Die Menschen in den baltischen Staaten gelten gemeinhin als zurückhaltend. Es wird selten laut in der Öffentlichkeit gesprochen, und Prahlerei wird wenig geschätzt. Bisweilen kann es etwas dauern, bis man ins Gespräch kommt. Nach einem ersten Kennenlernen redet man aber gerne und viel – vor allem über die progressive Ausrichtung der Gesellschaft und den Platz der jungen Litauer, Letten und Esten in Europa. Als Gesprächstehmen empfehlen sich z.B. die hochmoderne Optik- und Lasertechnik Litauens, der Internetaufbau und erfolgreiche estnische Start-ups wie Skype oder das große Wirtschaftspotenzial Lettlands. Geschichtliche Themen wie die Sowjetzeit oder den Zweiten Weltkrieg hingegen sind nur mit Vorbehalt anzuschneiden

Beim Besuch von Kirchen sollten Sie in allen drei Ländern angemessene, sprich Schultern und Knie bedeckende Kleidung tragen. Auch in den Restaurants präsentiert man sich im Baltikum in gepflegter Bekleidung: Von Männern werden saubere Schuhe, Jeans oder Anzughose und ein stilvolles Hemd erwartet, Frauen tragen bei eleganten Abenden Kleider. Beim Bezahlen ist ein Trinkgeld in Höhe von ca. 10 % des Rechnungsbetrags üblich. Zudem gilt in Estland, Lettland und Litauen in der Öffentlichkeit ein striktes Trinkverbot. Wer mit einer Flasche Bier auf der Straße erwischt wird, kann bereits ein empfindliches Bußgeld bekommen. Auch ist in geschlossenen Räumen wie in Bars und Gaststätten das Rauchen nicht erlaubt.